Catalina Channel 2017

06.07.2017

Endlich war es soweit! Meine dritte Kanalquerung stand kurz bevor und ich freute mich sehr, dass es bald los ging nach Los Angeles, USA.
Die Vorbereitung war sehr intensiv und ich schwamm so viele Trainingskilometer wie noch nie.
Zusätzlich arbeitete ich vermehrt im Kraftsportbereich, um meine Schultern noch besser zu stärken, damit ich solange es geht ohne weitere Schulterprobleme schwimmen konnte.
Das Training lief sehr gut und ich fühlte mich sehr fit. Zum Glück bin ich dieses Mal ohne Erkältung durch alle Trainingseinheiten gekommen.
Ich freute mich sehr, gesund zu sein, da das tägliche Training extrem anstrengend war und die Belastung sehr hoch. Ich hatte zwischenzeitlich auch einige Trainingslager absolviert und war bereit, den „Catalina Channel“ zu schwimmen.

Vor jedem Schwimmen befasse ich mich ausführlich mit den dort gegebenen Umständen,
für mich ist es wichtig genau zu wissen, was dort auf mich zukommt.
Ich wusste über den Catalina Kanal, dass er nur rund 3 Kilometer kürzer ist als Ärmelkanal und dass die Startzeit zwischen 22 Uhr und 24 Uhr liegen wird.
Die Wassertemperatur liegt bei ca. bei 18 Grad, also war mir bewusst, dass es definitiv nicht einfacher werden würde als zuletzt beim Ärmelkanal.

Im Vorfeld hatten wir Kontakt zu meiner Crew vor Ort, die mich während des Schwimmens begleiten würde.
Es war wichtig, einige Sachen zu klären, denn ich hatte dieses Mal zwei Boote. Ein Großes, was diesmal wirklich ziemlich groß war und ein Kajak, welches nah bei mir fahren würde, um mir Getränke zu reichen.
Es war aus Sicherheitsgründen leider nicht möglich, dass dieses Kajak von einer Person aus meinem Team gefahren werden durfte. Dennoch hatten wir ein zweites Kajak organisiert, welches im Notfall auch noch hätte benutzt werden dürfen.

Ich entschloss mich, fünf Tage vor dem Startzeitpunkt nach Los Angeles zu fliegen, um mich an die Zeitverschiebung zu gewöhnen und um vor Ort noch ein paar Tage trainieren zu können.
Am 13. Juni war es dann soweit und ich flog mit meinem Trainer (Joshua Neuloh) los in Richtung Los Angeles.
Ich hatte etwas Angst, mir während des Flugs eine Erkältung einzufangen, aber zum Glück hatte ich es dieses Mal ohne geschafft.
Nach zwölf Stunden Flug war ich müde, aber glücklich endlich angekommen zu sein.
Wir hatten ein Hotel in Manhattan Beach, was aber eher unpraktisch war, da es sehr weit weg von allem anderem war und der Verkehr in Los Angeles war eine reine Katastrophe. Ich habe noch nirgends so viele Autos auf einmal gesehen wie dort.
Nachdem wir uns noch die restlichen Stunden über den Tag wach hielten mit einigen organisatorischen Dingen fiel ich abends nur noch ins Bett.

Am nächsten Morgen fuhren wir runter zum Strand und ich ging für eine Stunde locker schwimmen, was allerdings nicht ganz so einfach war, da es selbst morgens um acht Uhr schon hunderte Surfer an den Strand trieb. Ich merkte schnell wieso dort nur Surfer unterwegs waren und ich der einzige Mensch war, der dort schwimmen wollte. Die Wellen waren extrem hoch vor der Küste und bis ich es raus geschafft hatte (hinter die Surfer) hatte ich auch schon genug Salzwasser für die nächsten Tage geschluckt.
Es gab dort einen Pier, welchen ich mir als Anhaltspunkt aussuchte. Von dort schwamm ich immer die Distanz zwischen drei Lifeguard-Strandhäusern hin und zurück, welche in den USA in größeren Abständen an allen gut besuchten Stränden zu sehen sind. Es war lediglich ein lockeres Schwimmen und ich wollte die letzten Tage vor dem Start nicht mehr viel machen und mich ausruhen.

Als ich fertig war, fuhren wir wieder ins Hotel und ich packte meine Sachen, weil wir in ein anderes Hotel zogen, nach Santa Monica.
Wir machten noch einige Besorgungen im Supermarkt wie z.B. Thermoskannen und holten Sauerstoff - Flaschen für den Fall, dass ich Sauerstoff brauchen würde. Nachdem ich vor zwei Jahren im Ärmelkanal eine Lungenentzündung bekommen hatte und die Zeit vom Boot bis zum Krankenhaus viel zu lange war, haben wir seitdem immer Sauerstoff direkt auf dem Boot.

Am nächsten Tag fuhren wir - nachdem ich eine Stunde am Santa Monica Strand geschwommen bin - zum Hollywoodzeichen. Wir brauchten über zwei Stunden, weil der Verkehr unglaublich war, obwohl es nur 22 km bis dorthin waren. Wir machten die obligatorischen Bilder, die jeder LA Tourist macht, aßen dann in Hollywood zu Mittag, bevor wir wieder ins Hotel fuhren.

Es waren jetzt noch drei Tage, bis wir uns auf den Weg nach Catalina Island machten.
Am nächsten Tag kam auch mein Vater nach Los Angeles, morgens ging ich mit Adam nochmal kurz an den Strand, um locker zu schwimmen. Wir machten noch ein paar Videos und Bilder mit Adams Unterwasserkamera.


Wir gingen an den Strand und bekamen einen Schock, unsere Sachen waren nicht mehr da.
Es war in dem Moment nicht so lustig, aber nachdem wir gemerkt haben, dass wir einfach ein Lifeguard-Haus zu früh geschaut hatten, tauchten unsere Sachen natürlich wieder auf. Dennoch lernten wir daraus, die Sachen am besten nicht mehr alleine am Strand liegen zu lassen.
Abends gingen wir alle zusammen essen und früh schlafen.

Eigentlich sollten wir am nächsten Tag gegen Nachmittag auf die Insel, aber wir entschlossen uns, die Nacht von Samstag auf Sonntag noch in dem Hotel zu schlafen. Wir wussten durch Adam, dass es auf Catalina Island nur ein Hotel gab und es dort nichts zu sehen gab, was hätten wir uns also noch ansehen sollen...?

Wir hatten einen Helikopterflug für Sonntag um 15 Uhr und somit schlief ich an dem Sonntag solange es ging und packte meine Schwimmtasche für das Boot fertig.
Danach gingen wir Frühstücken und machten uns gegen 13 Uhr auf den Weg zum Hubschrauber – Startplatz. Der Flug war super angenehm und wir haben eine Riesengruppe Delfine gesehen ☺

Der Pilot fragte uns, was wir auf der Insel vorhatten. Ich erzählte es ihm und er lachte nur und dachte ich mache einen Witz. Als er merkte, dass ich es ernst meinte, musste ich mir anhören, dass es eine ganz schlechte Idee sei, dort rüber zu schwimmen, weil es dort auch Haie geben würde.

Der Flug verging super schnell und schon nach fünfzehn Minuten sind wir auf Catalina Island gelandet. Schon von der Luft aus hat man gesehen, dass die Insel nur aus Bergen besteht und es dort nicht viel gab.
Wir wurden abgeholt und sind direkt zum Hotel gefahren, dort habe ich meine Sachen in mein Zimmer gebracht und wir sind direkt in die „Stadt“ gelaufen, um noch etwas zu essen.
Es war mittlerweile 16 Uhr und ich entschloss mich, jetzt noch ein letztes Mal, Nudeln zu essen und dann nichts mehr bis zum Start.

Gegen halb sechs ging ich ins Bett, um nochmal für drei Stunden zu schlafen. So wie jedes Mal fiel es mir sehr schwer einzuschlafen um diese Zeit. Mir ging es sehr gut und ich freute mich riesig, endlich schwimmen zu dürfen. Ich dachte vor dem Einschlafen daran, dass ich sehr viel trainiert habe und an die unendlichen Trainingseinheiten, die ich alle hinter mir hatte. Und ich dachte daran, dass es jetzt endlich zu dem schönsten Teil kommen wird.

Ich schlief vielleicht zwei Stunden und wachte um neun Uhr auf, mein Trainer war schon wach oder vielmehr immer noch und kochte Wasser für meine Getränke. Ich nahm meine Tasche und wir machten uns alle auf dem Weg zum Hafen, wo wir uns um halb zehn mit dem Piloten und der Crew treffen würden.

Als ich nach draußen ging, bekam ich einen Schreck. Es war wirklich die dunkelste Nacht, die ich je gesehen hatte. Weder Sterne noch der Mond waren weit und breit am Himmel zu sehen und es gab keinerlei Lichter. Wie schon gesagt, hier gab es weit und breit nichts, nur unser Hotel und vielleicht noch drei andere Häuser.

Als wir am Hafen ankamen, mussten wir noch auf das Boot warten. Ich blieb im Auto sitzen, weil es sehr kalt draußen war und ich nicht frieren wollte, bevor ich ins Wasser ging. Nach zwanzig Minuten erschien aus der kompletten Dunkelheit endlich das Boot und ich lief zum Steg, wo mein Vater und Joshua bereits alle Sachen hingebracht hatten.
Das Boot war wie schon gesagt bei Weitem größer als das im Ärmelkanal und die Crew war auch fast doppelt so groß. Ich stellte mich Jedem vor und redete mit der Kajakfahrerin auf welcher Seite ich schwimmen wollte und wo sie mir am besten die Getränke reichen sollte.
Es gab noch eine weitere Kajakfahrerin, da sie nach der Hälfte wechseln wollten, um nicht die ganze Strecke am Stück zu fahren. Kurz nachdem ich mit ihr beschlossen hatte, dass ich genau in der Mitte vom Boot und dem Kajak schwimmen wollte, gab es eine Besprechung mit der gesamten Crew.
Der Pilot erklärte seine Regeln und danach gaben mir die zwei Observer eine Einweisung und ich musste noch einige Formulare ausfüllen. Die Zeit verging und es war mittlerweile schon 22:30 Uhr. Ich wurde langsam nervös, weil es doch relativ viel war, worauf ich achten sollte.

Als das Gespräch zu Ende war ging ich direkt wieder raus an die Luft, weil ich nicht wollte, dass mir noch vor dem Start schlecht wird. Ich zog meinen Wärmemantel an und setze mich mit Kopfhörern hin und beobachtete das Meer. Es war wieder einer der schönsten Momente und ich genoss einfach nur wo ich grade war und freute mich, gleich endlich ins Wasser zu können.
Mein Vater kam zu mir und wir haben noch besprochen, wo die Lampen und Knicklichter am sinnvollsten am Kajak angebracht werden sollten.

Ich schloss die Augen noch für einen kurzen Moment und dachte an die Menschen, die mir viel Glück gewünscht hatten und daran, dass ich es schaffen konnte. Ich war überglücklich, dass mein Vater dabei war. Es gibt keinen Menschen der mich besser kennt und besser weiß wann es mir schlecht geht.


Alles war bereit und es ging los. Das Kajak wurde zu Wasser gelassen und ich machte mich fertig, mein Trainer trug die Vaseline auf und Adam sagte mir noch einige motivierende Worte.
Das große Boot stoppte, ich verabschiedete mich von allen. Ich sprang ins Wasser und schwamm mit dem Kajak an meiner Seite zum Strand, da ich vor dem Start das Wasser vollständig verlassen musste. Auf dem Weg dorthin habe ich mich so sehr erschrocken, dass es dort Wasserpflanzen gab, die bis an die Oberfläche reichten und ich nicht erkennen konnte was es war.

Dann erreichte ich den Strand und lief aus dem Wasser. Dieser Moment ist unbeschreiblich, wenn man aus dem Wasser steigt und das gesamte Schwimmen noch vor sich hat. Einfach nichts kann beschreiben, was genau ich dort spüre und welche Gefühle dort in mir vorgehen.

Das Meer lag vor mir und es war alles so wunderschön ruhig und ich holte noch einmal kräftig Luft und hob dann den Arm. Ich lief ins Wasser und begann zu schwimmen. Als ich das Boot wieder erreichte dauerte es ein paar Minuten, die perfekte Position zu finden. Aber dann lief alles bestens.
Es gibt im Pazifik das Phänomen, das wenn man die Hand eintaucht, das Wasser um die Hand leuchtet. Es ist jedoch nicht das Meerwasser, welches leuchtet, sondern Kleinstlebewesen, die bei Berührung leuchten. Es war wunderschön zu beobachten was dort genau vor sich ging und es half mir, nicht mehr an andere Dinge zu denken.

Nach zwei Stunden wurde mir sehr schlecht und nach dem nächsten Pfirsich Kohlenhydrate-Getränk musste ich mich übergeben. Ich kannte das schon von vorherigen Schwimmsituationen. Es ist jedes Mal sehr unangenehm, sich zu übergeben und dabei weiter zu schwimmen. Ich stoppte kurz und sagte meinem Vater, das ich bitte beim nächsten Mal schwarzen Tee mit Honig wollte. Das Pfirsichgetränk wollte ich nicht mehr.

Genau in der Zeit erwischten mich zusätzlich noch einige Quallen ….

In solchen Momenten denkt man oft daran wieso man so etwas macht und ich kann sagen ich mache es, weil es für mich kein besseres Gefühl gibt, als am Ziel auf das Meer zurück zu schauen und mir zu denken: ‚das bin ich geschwommen und darauf bin ich stolz`!

Ich schwimme das nur für mich und habe in den letzten Jahren gelernt, dass es nicht schlimm ist, auch einmal aufzugeben. Denn es ist nicht schlimm, wenn ich mir trotzdem sagen kann, dass ich alles...wirklich alles gegeben habe! Also erinnerte ich mich an die Worte, die Adam zu mir sagte und schwamm weiter.

In der nächsten Stunde kam Adam für eine Stunde ins Wasser. Es ist erlaubt, einen Supportschwimmer zu haben, der für drei Stunden ins Wasser darf. Ich mag es eigentlich nicht sonderlich gerne, da es mich immer etwas aus dem Rhythmus bringt, aber es hilft enorm, um die Geschwindigkeit aufrecht zu halten und nicht in eine Art Trance zu verfallen. Mir ging es langsam wieder besser und ich trank nun abwechselnd Tomatensuppe und Tee.

Ich konnte keine Menschen erkennen auf dem Boot, aber ich wusste, dass mein Vater ein iPad dabei hatte, auf dem Bilder mit Motivationssprüchen drauf waren. Ich sah, dass er es immer hoch hielt auch wenn ich nie lesen konnte was drauf stand. Ich wusste, dass er die ganze Nacht über draußen stand und mich anfeuerte.

Nach dem Adam wieder draußen war ging es mir wieder gut und ich schwamm mit straken Zügen immer weiter.
So verging die Zeit und ich merkte, dass ich gut voran kam auch wenn ich nie fragte, wie es läuft.
Ich merkte dieses Mal selbst, dass die Schwimmzüge stark waren und ich mich gut fühlte.

Durch die extreme Dunkelheit und die lange Dunkelphase kam mir die Nacht unendlich lang vor und ich dachte ich sei schon viel länger unterwegs. Normalerweise zähle ich die Getränke die ich bekam, aber da mir sehr schlecht war hatte ich vergessen, wie lange ich schon unterwegs war.

Letzten Endes kann man es sowieso nicht ändern und so schwamm ich und schwamm ich durch diese lange extrem dunkle Nacht.

Dann bekam ich auf einmal einen Schreck. Die Kajakfahrerin rief mich zu sich. Ich solle ganz nah am Kajak schwimmen! Sie rief zum anderen Boot: „Animals“! Ich bekam einen Schreck und dachte mir nur: ‚Bitte lass es kein Hai sein!`. Ich hatte keine Angst vor Haien, weil ich glaube, dass sie Menschen nur dann angreifen, wenn sie sich bedroht fühlen. Ich dachte auch während des gesamten Schwimmens nicht daran, da alles so friedlich war und ich in Ruhe einen Atemzug nach dem anderen machte. Doch in dem Moment hatte ich Angst. Ich habe mehrere Tiere im Wasser schwimmen sehen und dann sah ich aber, dass es ganz viele Delfine waren. Ich stoppte kurz und beobachtet sie, wie sie um das Boot schwammen. Es war wunderschön, Delfine so zu sehen und mit ihnen zu schwimmen, nachts...mitten im Pazifik. Die Delfine begleiteten uns eine ganze Weile bis sie weiter schwammen und im Meer verschwanden.



Nun war ich definitiv wieder wach und langsam, nach mehr als sechs Stunden im komplett Dunklen, merkte ich wie es ganz langsam hell wurde.
Ich freute mich so sehr und wusste nun, dass ich es schaffen werde. Ich fühlte mich immer noch gut. Nur merkte ich, dass mir langsam die Kohlenhydrate-Getränke fehlten, da ich seit Stunden nur Suppe und Tee getrunken hatte. Dennoch wollte ich nicht riskieren, dass mir noch einmal schlecht werden würde.

Wir hatten im Vorfeld eine Drohne gekauft, da ich gerne ein paar Erinnerungsbilder von oben haben wollte
Ich konnte nun langsam die Menschen auf dem Boot erkennen und sah wie Adam und mein Vater versuchten die Drohne zu starten. Als sie dann in der Luft war sah ich, da sie unten kleine Lichter hatte, die leuchteten. Aber plötzlich sah ich, dass mein Vater am Ende des Bootes stand und hektisch versuchte, irgendetwas zu machen. Und da wusste ich, dass wir die Drohne nie mehr wiedersehen würden.
Ich sah nur noch wie Adam in das Ersatzkajak sprang und aufs Meer fuhr. In dem Moment musste ich nur lachen, weil da zwei absolute Technikprofis am Werk waren ;-)!
Ich schwamm weiter und hatte meinen Spaß dabei, zu sehen, wie Adam versuchte, die Drohne zu fangen.
Nach ein paar Minuten sah ich die Drohne nicht mehr und Adam auch nicht mehr. Aber mein Vater stand mit der Fernbedienung am Bootsrand und zeigte mir immer nur den Daumen. Ich wusste aber ganz genau, dass nichts in Ordnung war. Ich konzentrierte mich nach einem Getränk wieder auf mein Schwimmen und kam gut voran.
Kurz danach hielt mein Vater die Drohne hoch, um mir zu zeigen, dass Adam sie wieder gefangen hatte.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass die Drohne ins Wasser geflogen ist und Adam in der Hand im Kajak explodiert ist.

Es war immer noch kein Land in Sicht und langsam war ich kurz davor mich zu fragen, wie weit es denn noch ist.
Doch als ich das nächste Mal an das Kajak schwamm um zu trinken, rief mein Vater mir zu: „Nur noch zwei Kilometer!“

Ich konnte es nicht glauben, weil einfach nichts zu sehen war. Ich wusste vom Ärmelkanal, dass wenn man Land sieht es immer noch heißen kann. mehrere Stunden vor sich zu haben.
Mir war aber bewusst, dass es extrem nebelig war und ich wusste auch von Adam, dass das Ziel ganz plötzlich kommen würde. Es wurde mir aber in dem Moment bewusst, dass ich es fast geschafft hatte und mich nur noch wenige Minuten von dem Ziel trennten.

In diesem Moment war ich einfach nur froh und wusste das ich es schaffen werde, ich versuchte nochmal das Tempo etwas zu steigern was mir jedoch sehr schwer fiel, da meine Arme ziemlich müde waren. Adam kam ins Wasser und ich wusste jetzt ist es gleich geschafft, wir schwammen zusammen immer weiter an das Ziel und ich hob einige Male den Kopf um zu sehen, wo genau ich hin musste, um aus dem Wasser zu gehen.

Als ich endlich Algen und Steine unter mir sah kam mir eine Träne und ich freute mich so sehr, dass ich es geschafft hatte.
Nun kam jedoch noch der Ausstieg, der sehr gefährlich war. Es war Flut und die Wellen drückten mich an Land. Es gab nur Felsen, die mit Algen besetzt waren und somit war es super rutschig.

Ich versuchte langsam aufzustehen. Ich merkte aber, dass es mir sehr schwer fiel und ich immer wieder umkippte und gegen die Felsen schlug. Mein rechtes Bein bekam einen Schnitt ab. Als ich endlich halbwegs auf einem Felsen war , schrie die Crew ich solle noch weiter hoch klettern. In dem Moment war Adam so sauer und ich hatte auch keine Lust mehr, weil es einfach super gefährlich war weiter hoch zu klettern. Aber ich versuchte es und es dauerte bestimmt fünf Minuten, um noch ein Stück höher zu kommen. Erst dann ertönte das Signal und die Querung war offiziell beendet.

Nun saß ich da auf diesem Felsen irgendwo an der Küste vor Los Angeles und schaute auf das Meer zurück. Diesen Moment kann ich schlecht beschreiben, aber es machte mich stolz auf das zurück zu schauen, was ich mir mit sehr viel Training erarbeitet habe.

Ich bedankte mich bei Adam für seine Unterstützung und nahm seine Hand. Wi versuchten die Felsen wieder runter zu kommen, was genau so schwer war wie hoch zu kommen.

Als wie es wieder ins Wasser geschafft hatten schwammen wir langsam zum Boot zurück und kletterten eine kleine Leiter hoch. Ich hatte es geschafft! Ich war überglücklich! Mir war noch eine ganze Weile ziemlich kalt und ich merkte, dass mich einige Quallen ziemlich erwischt hatten. Als es mir wieder besser ging zeigte mir ein Observer Bilder auf seinem Handy von einem Haiangriff und wie strak es ihn erwischt hatte. Es war wirklich ziemlich beeindruckend und ich hörte mir die Geschichte gerne an. Er geht nach wie vor sehr gerne im Meer schwimmen und ich war froh, dass er mir diese Bilder erst im Nachhinein gezeigt hatte.




Ich blieb noch eine Weile nach meinem Schwimmen in Los Angeles und konnte die nächsten Tage erst mal kein Wasser mehr sehen.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die wieder an mich geglaubt haben und mir liebe Nachrichten geschickt haben. Ich bin sehr dankbar für jedes einzelne liebe Wort, welches ich erhalten habe!

Ich freue mich sehr darüber, dass es immer mehr Menschen gibt, die Freiwasserschwimmen anerkennen und diese Leistung schätzen.


Vielen Dank und bis bald

Eure Nathalie
„Just Keep Swimming“



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